Licht & Gesundheit, Licht-Design | Licht Ambiente

Licht- und Raumqualität

„Gott schenke uns Ohrenlieder.“
(Kurt Tucholsky)

Der Ausgangspunkt
Es ist grundsätzlich ein sinnvolles Erbe unserer der Evolution, dass wir keine Ohrenlider haben. Unser Gehör ist als einziges Sinnesorgan bei Tag und Nacht aktiv. Aber, wie gehen wir nun mit dem Zwang des „ALWAYS ON“ um? In vielen Räumlichkeiten unseres Alltags bleiben leider allzu oft angemessene Akustikkonzepte unberücksichtigt. Dabei ist unser Gehör ein äußerst sensitives Organ mit einem erstaunlich großen Erfassungsbereich, sowohl beim Umfang der Tonhöhen, als auch bei Lautstärken. Wir hören in leiser Umgebung das Ticken einer Armbanduhr noch in einiger Entfernung, können uns im Straßenverkehr selbst bei lautester Geräuschkulisse noch verständigen.

Raumakustik
Was geschieht nun, wenn sich geschlossene Wohn-, Arbeits- und Freizeiträume mit Personen füllen, inkl. aller damit verbundener Geräuschquellen: Gespräche, Drucker-; Kopier- / Kaffeeautomaten, Telefonate, usw.? Es wird einfach formuliert jede Menge Schallenergie erzeugt, welche sich modellhaft wie Lichtstrahlen allseitig im Raum verteilen. An allen (Begrenzungs)-Flächen des Raums werden sie, ähnlich einem Spiegel, fortwährend reflektiert. Bei diesem Prozess verliert die Geräuschkulisse bei jedem Auftreffen auf z.B. eine Wand durch Absorption einen Teil Ihrer Energie (Lautstärke). Dies führt zu einer permanenten Geräuschkulisse, welche selbst nach Abschalten aller Schallquellen eine bestimmte Zeit, die Nachhallzeit, im Raum verbleibt. Diese Zeit hängt maßgeblich vom Raumvolumen und der Beschaffenheit (Absorptionsgrad) seiner Oberflächen ab. Diese besitzen bzgl. ihrer Schallabsorption unterschiedliche Qualitäten. So absorbieren moderne Gestaltungsflächen aus Beton, Fliesen oder Glas die Schallenergie nur in sehr geringem Maß. Stoffartige Oberflächen wie Teppiche, Gardinen und Sitzpolster absorbieren, wenn auch nur höherfrequent, mehr Schallenergie.

Akustik in Arbeits- und Freizeiträumen
In akustisch unbehandelten Räumen mit langen Nachhallzeiten sowie hohen Geräuschpegeln regulieren Sprecher unbewusst ihre Sprechlautstärke in Abhängigkeit von der eigenen Wahrnehmung. Ist diese durch hohe Hintergrundgeräusche gestört, erhöht er seine Lautstärke. Dies erhöht wiederum den Schallpegel im Raum und veranlasst andere Personen Ihre Sprechlautstärke ebenfalls anzuheben. Es kommt zu einer sogenannten Lautheitsspirale. Verursacher sind hierbei gleichzeitig immer auch Opfer. Dies gilt z.B. im Bereich Gastronomie gleichermaßen für das Bedienpersonal wie auch für den Gast. Beide sind Quellen und Leidtragende des Lärms. In Büroräumen sind die häufigsten Ursachen für Störungen Gespräche unter Kollegen, das Telefonklingeln sowie Geräusche von technischen Einrichtungen. Diese Lärmarten sind sowohl impuls- als auch informationshaltig. Eine Chance darüber hinwegzuhören gibt es nicht, denn unser Verstand ist evolutionär darauf getrimmt den akustischen Input fortlaufend auf Verwertbares zu analysieren. Symptome dieser täglichen, krankmachenden „Dauerbeschallung“ sind u.a. Konzentrationsstörungen und Kopfschmerzen. Eine reduzierte Konzentrationsfähigkeit der Mitarbeiter wirkt sich zusätzlich negativ auf Arbeitsergebnisse sowie -qualität aus.

Maßnahmen für akustische Behaglichkeit
Um unser subjektives Hörempfinden auf eine objektivierbare und damit optimierbare Grundlage zu stellen, stehen dem Raumakustiker eine Reihe von Normen, Richtlinien sowie physikalischer Messgrößen zur Verfügung. Die Nachhallzeit sowie weitere, vor allem in Großraumbüros relevante Kenngrößen lassen sich prognostisch berechnen oder messtechnisch erfassen. Eine geplante, ausgewogene Raumakustik ist heute ein wichtiges Stück Lebensqualität. Sie ist objektiv bestimmbar und in jedem Raum umsetzbar!

Autor: Dirk Overzier

Dirk Overzier ist Dipl.-Physiker und Geschäftsführer einer Beratungsfirma mit Spezialisierung auf Büro-, Objekt- und Wohnraumakustik und Kooperationspartner der Firma Remagen.

Ausführlicher Text als PDF-download